Der Stadtteil Coerde ist gekennzeichnet durch einen hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Bedingt durch multiple soziale Problemlagen der verschiedenen Bevölkerungsschichten kommt es seit Jahren zu delinquenten Verhalten bei Kindern und Jugendlichen. Festzustellen ist, dass das Einstiegsalter deutlich unter dem Alter der Strafmündigkeit liegt. Die hier fehlenden Sanktionen lassen es zu, dass sich das straffällige Verhalten nachhaltig als nicht sanktioniertes Verhalten verfestigt.
Im Jahr 2006 befasste sich die Zukunftswerkstatt des AK Coerde mit diesem Thema. Herausgebildet hat sich ein Unterarbeitskreis von Fachleuten der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Polizei. Ziel ist es, Kriminalität frühzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen zu entwickeln. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist ein Katalog aus Modulen, die eine flexible und auf verschiedene Gruppen übertragbare Vorgehensweise zulassen.
Diese Module
sollen nach und nach mit verschiedenen Peergroups durchlaufen
werden. Neben den für die einzelnen Module zuständigen Fachkräften
sollen auch immer die ständigen Bezugspersonen der einzelnen Kinder-
und Jugendgruppen betreuend zur Seite stehen. Jedes Modul wird mit einer positiv
besetzten Aktion
enden, damit das Erlebte nachhaltig gefestigt wird. Neben den gesetzlichen
Grundlagen sollen auch alternative Verhaltensweisen eingeübt werden.
Es ist angedacht,
die Teilnahme an den Modulen mit einer Urkunde und einem Zeichen oder Objekt
mit Wiedererkennungswert zu belegen. Auch wird geprüft, ob die Teilnahme
in eventuell vorhandene Polizeiakten einfließen kann.
Im Folgenden werden die einzelnen Module kurz erläutert:
Modul 1:
Einführung in das Thema
Bei diesem Modul wird in abwechselnd aktiver spielerischer und verbaler Form
auf das Thema Gewalt und Straffälligkeit hingearbeitet. Es werden Ideen
und Wünsche der Kinder ausgearbeitet, die in das Projekt mit einfließen
sollen. Angedacht ist ein Nachmittag im Jugendzentrum.
Modul 2:
Ein Tag beim Gericht
Die Gruppe macht einen Ausflug zum Gericht in Münster. Neben einer Führung
durch das Gebäude wird versucht, an einer Gerichtsverhandlung teilzunehmen.
Ein Richter wird in seinem Büro besucht. Er erzählt von seiner Arbeit.
Modul 3:
Ein Tag im Polizeipräsidium
Ebenso wie beim oben genannten Gerichtsbesuch soll beim Besuch des Polizeipräsidiums
Münster die Möglichkeit der Betrachtung aus einer nicht angstbesetzten
und somit stressfreien Perspektive gegeben werden. Die Exekutive und Legislative
soll somit menschlich erfahren werden. Geplant sind bei diesem
Besuch der Besuch eines Komissars in seinem Büro sowie die Besichtigung
eines Schießstandes.
Modul 4:
Strafrecht - Ganz einfach
Durch einen Mitarbeiter des KSD wird versucht, Fragen zum Strafrecht im Gespräch,
sowie mit Filmmaterial und anschließender Diskussion zu erörtern.
Modul 5:
Neue Medien - Sicher auf der Datenautobahn
Sensibel mit dem Medium Internet und Handy umgehen lernen. Was kann ich und
was darf ich in diesem Bereich, wo lauern die Stolperfallen?
Modul 6:
Gewalt - Was macht das mit mir?
Gewaltpräventionskurs durch eine ausgebildete Fachkraft.
Modul 7:
Hilfe... Wo bekomme ich Hilfe?
Aufzeigen und Üben von alternativen Handlungsstrategien und die Erarbeitung
eines Flyers mit Hilfs- und Beratungsangeboten für Kinder und Jugendliche.
Modul 8:
Alles außer Langeweile
Aufzeigen von alternativen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten mit erlebnispädagogischen
Mitteln.